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Netzwerken ganz einfach erklärt. Warum ein guter Lebenslauf heute oft nicht mehr reicht

  • Autorenbild: Umut
    Umut
  • 5. Mai
  • 8 Min. Lesezeit

Früher konnte man sich einreden:

Guter Lebenslauf, sauberes Anschreiben, Bewerbung raus, dann wird das schon.

Heute ist das oft deutlich schwieriger.

Auf viele Stellen gehen so viele Bewerbungen ein, dass nicht jede Unterlage wirklich gelesen wird. Manche werden nur kurz gescannt. Manche laufen erst durch Systeme. Manche verschwinden im Stapel, obwohl der Bewerber eigentlich gut passen würde.

Das ist frustrierend. Vor allem dann, wenn man sich Mühe gegeben hat und trotzdem das Gefühl hat, nur eine Datei unter vielen zu sein.

Genau deshalb wird Netzwerken bei der Jobsuche immer wichtiger.


Nicht als schmieriges Vitamin B.

Nicht als Karrierespiel.

Nicht als künstliches Smalltalk Theater.


Sondern als etwas viel Einfacheres:

vor der Bewerbung sichtbar werden, einen menschlichen Kontakt herstellen und nicht komplett anonym in einen überfüllten Prozess laufen.


Warum nur Lebenslauf absenden oft nicht mehr reicht


Stapel von Dokumenten

Der Arbeitsmarkt ist in vielen Bereichen voller geworden. Auf attraktive Stellen bewerben sich oft sehr viele Menschen. Gleichzeitig laufen Bewerbungsprozesse strukturierter, digitaler und schneller als früher.

Das bedeutet:

Dein Lebenslauf ist vielleicht gut. Er ist nur nicht allein auf dem Tisch.

Und genau da liegt das Problem.

Wenn sehr viele Bewerbungen eingehen, wird nicht jede mit derselben Ruhe gelesen. Dann helfen nicht nur gute Unterlagen, sondern auch kleine Vorteile davor.

Zum Beispiel:

jemand hat deinen Namen schon einmal gelesen

jemand aus dem Unternehmen hatte schon Kontakt mit dir

du konntest vorab eine Frage stellen

du bist auf LinkedIn sichtbar

du wurdest empfohlen

du bist nicht nur Bewerber Nummer 47, sondern schon ein Mensch mit Bezug


Das ersetzt keine gute Bewerbung. Aber es öffnet oft die Tür einen Spalt weiter.


Netzwerken ist nicht das, was viele darunter verstehen


Viele hören das Wort Netzwerken und haben sofort Bilder im Kopf, die abschrecken.


Menschen mit Namensschild in einem Hotelraum.

Ein Messestand

Aufgesetztes Lächeln.

Visitenkarten.

Sätze wie: „Lassen Sie uns unbedingt in Kontakt bleiben.“


Wenn du eher zurückhaltend bist, denkst du vielleicht sofort:

Das ist nichts für mich.


Die gute Nachricht ist: So muss es gar nicht sein.


Netzwerken im Bewerbungsprozess bedeutet oft einfach nur:


mit den richtigen Menschen vor der Bewerbung kurz ins Gespräch kommen

Interesse zeigen

Fragen stellen

einen ersten Bezug aufbauen

nicht komplett unsichtbar bleiben

Mehr nicht.

Kein Theater.

Kein Verkaufen.

Kein peinlicher Auftritt.


Gerade für Zurückhaltende kann Netzwerken gut funktionieren


Viele glauben, nur extrovertierte Menschen könnten netzwerken. Das stimmt nicht.


Im Gegenteil. Zurückhaltende Menschen machen oft genau das gut, worauf es ankommt:


sie hören zu

sie fragen überlegter

sie schreiben eher bedacht als laut

sie wirken oft angenehmer als Menschen, die sofort in den Selbstdarstellungsmodus gehen


Du musst also nicht der lauteste Mensch im Raum sein. Du musst auch nicht locker durch jede Karrieremesse fliegen, als würdest du da jede Woche auftreten.


Es reicht, wenn du eine einfache Methode hast.


Warum Netzwerken von der anderen Seite oft positiver aufgenommen wird, als man denkt


Viele haben Angst, andere zu nerven.


Vor allem auf LinkedIn oder Xing denken viele:

Eine lächelnde Frau mit Handy und Laptop

Was, wenn das komisch wirkt

Was, wenn ich störe

Was, wenn die Person denkt, ich will nur etwas


In der Realität wird ein normaler, höflicher Kontakt oft viel positiver aufgenommen als befürchtet.


Warum?


Weil die meisten Menschen es nicht schlimm finden, wenn jemand sich ehrlich für ihren Bereich, ihr Unternehmen oder ihre Erfahrung interessiert. Vor allem dann nicht, wenn die Nachricht kurz, respektvoll und konkret ist.


Was anstrengend wirkt, sind keine Kontakte.

Was anstrengend wirkt, sind plumpe Nachrichten.


Also nicht:

Hallo, ich suche dringend einen Job. Können Sie mir helfen?


Sondern eher:

Guten Tag, ich beschäftige mich aktuell intensiver mit Positionen im Bereich Personalentwicklung und bin dabei auf Ihr Profil gestoßen. Da Sie selbst in diesem Umfeld arbeiten, fand ich Ihren Werdegang spannend. Ich freue mich über die Vernetzung.


Das ist etwas ganz anderes.


Wie du Netzwerken bei der Jobsuche ohne Stress angehen kannst. Einfach erklärt


Die gute Nachricht zuerst: Du musst dafür kein geborener Netzwerker sein. Du musst nicht charmant durch Räume gleiten, keine Visitenkarten jonglieren und auch nicht auf LinkedIn jeden zweiten Tag einen Karrierepost schreiben.


Netzwerken funktioniert oft viel unspektakulärer.


Eigentlich geht es nur darum, Schritt für Schritt aus der kompletten Unsichtbarkeit rauszukommen.


Nicht mit einem großen Auftritt.

Sondern mit kleinen, klugen Kontakten.


1. Fang nicht bei fremden Menschen an, sondern bei echten Berührungspunkten


Netzwerken einfach erklärt: Der leichteste Einstieg ist selten der Recruiter aus dem Nichts. Oft ist es jemand, bei dem schon ein kleiner Bezug da ist.


Zum Beispiel:


ehemalige Kollegen

Menschen aus Weiterbildungen

frühere Führungskräfte

Dozenten

Kunden

Bekannte aus Projekten

Freunde von Freunden


Schreib nicht sofort:

Ich suche gerade einen Job, kannst du helfen?


Das wirkt für viele schwer und direkt.


Besser ist:

„Ich orientiere mich gerade beruflich neu und schaue mir den Bereich XY genauer an. Da du das Umfeld kennst, wollte ich einfach mal hören, wie du den Markt gerade erlebst.“


Das ist ein Gesprächseinstieg. Kein Hilferuf. Kein Druck. Und oft viel wirksamer.


Wenn das Gespräch gut läuft, kannst du im zweiten Schritt konkreter werden:


„Falls dir in nächster Zeit etwas Passendes begegnet oder du einen Tipp hast, freue ich mich.“


So bleibt es leicht und offen.


2. LinkedIn ist kein Sammelalbum, sondern ein Gesprächsanfang


Viele nutzen LinkedIn wie ein Schaufenster. Sie schauen rein, lesen still mit, schicken vielleicht eine Kontaktanfrage und hören dann wieder auf.


Aber genau da beginnt der eigentliche Teil erst.


Der Ablauf kann ganz einfach sein:


Schritt 1

Suche dir nicht fünfzig Menschen, sondern fünf gute Kontakte aus.


Am besten Menschen,


  • die in deiner Zielbranche arbeiten

  • die in Unternehmen arbeiten, die dich interessieren

  • die fachlich näher dran sind als reine HR Kontakte

  • bei denen ein echter Bezug denkbar ist


Schritt 2

Schick eine kurze, normale Anfrage.


Zum Beispiel:


„Guten Tag, ich beschäftige mich aktuell intensiver mit dem Bereich Personalentwicklung und bin in dem Zusammenhang auf Ihr Profil gestoßen. Ihren beruflichen Hintergrund fand ich spannend. Ich freue mich über die Vernetzung.“


Nicht mehr. Kein halber Lebenslauf. Kein sofortiger Wunsch nach Hilfe.


Schritt 3

Nicht direkt losfeuern.


Wenn die Person annimmt, musst du nicht in der nächsten Minute schreiben: Danke, haben Sie einen Job für mich?


Lass den Kontakt kurz atmen.


Schritt 4

Dann ein echter zweiter Schritt.


Zum Beispiel nach ein paar Tagen:


„Vielen Dank für die Vernetzung. Ich schaue mir Ihr Unternehmen bzw. Ihren Bereich gerade etwas genauer an und fand besonders spannend, dass Sie schon länger in dem Feld arbeiten. Mich würde interessieren, was aus Ihrer Sicht aktuell ein häufiger Unterschied zwischen starken und schwächeren Bewerbungen ist.“


Das ist konkret. Es ist fachlich. Und es zwingt niemanden in eine unangenehme Situation.


Schritt 5

Kontakt nicht fallen lassen.


Wenn eine Person nett antwortet, kannst du später wieder anknüpfen. Nicht jede Woche. Nicht künstlich. Aber wenn sich ein echter Anlass ergibt.


Zum Beispiel:

  • ein Beitrag der Person

  • eine neue Stelle im Unternehmen

  • ein Thema, das ihr schon mal besprochen habt

  • eine fachliche Beobachtung


So wird aus einer Kontaktanfrage langsam ein Kontakt.


3. Xing ist eine Ergänzung


Xing wird oft vorschnell abgeschrieben. Das greift zu kurz.


LinkedIn ist in vielen Bereichen sichtbarer, dynamischer und stärker auf Reichweite gebaut. Xing kann trotzdem wertvoll sein, vor allem im deutschsprachigen Raum, bei regionaleren Netzwerken und überall dort, wo Menschen nicht dauernd posten, aber beruflich trotzdem gut auffindbar sind.


Der Unterschied ist wichtig:


Auf LinkedIn entsteht Kontakt oft über Sichtbarkeit, Beiträge und Aktivität.Auf Xing ist es oft etwas ruhiger, direkter und weniger inszeniert.


Gerade für Menschen, die keine Lust auf dauernde Online Präsenz haben, kann Xing deshalb sogar angenehmer sein.


Praktisch heißt das:


  • Xing Profil sauber halten

  • berufliche Stationen klar pflegen

  • gezielt nach Menschen, Unternehmen und Branchen filtern

  • eher direkt und sachlich anschreiben

  • Xing als zweite Tür nutzen, wenn LinkedIn zu laut wirkt oder Kontakte dort nicht aktiv sind


Du musst dich also nicht für eine Plattform entscheiden.Oft ist die Kombination klüger.


4. StepStone und Indeed sind nicht nur Bewerbungsportale, sondern Beobachtungsposten


Viele nutzen StepStone oder Indeed nur so:


Anzeige öffnen.

Kurz lesen.

Bewerben oder schließen.


Dabei steckt dort viel mehr drin.


Diese Plattformen zeigen dir,

  • welche Unternehmen gerade suchen

  • welche Rollen häufig auftauchen

  • welche Begriffe der Markt benutzt

  • welche Anforderungen sich wiederholen

  • wo du vielleicht schon vor der Bewerbung andocken kannst


Die praktische Reihenfolge könnte so aussehen:


Erst schauen


Welche Unternehmen tauchen mehrfach auf? Welche Rollen ziehen dich wirklich an?


Dann prüfen


Wer arbeitet dort? Gibt es auf LinkedIn oder Xing Menschen aus dem Fachbereich, aus HR oder aus angrenzenden Teams?


Dann Kontakt herstellen


Nicht mit „Ich habe Ihre Anzeige gesehen, bitte helfen Sie mir“, sondern mit einer kleinen, vernünftigen Frage.


Zum Beispiel:


„Guten Tag, ich bin über die aktuelle Ausschreibung für Bereich XY auf Ihr Unternehmen aufmerksam geworden. Da Sie selbst in dem Umfeld arbeiten, wollte ich gern besser verstehen, worauf es in dieser Rolle aus Ihrer Sicht besonders ankommt.“


Das ist ein ganz anderer Ton als eine Bitte um Jobbeschaffung.


Dann bewerben


Und zwar nicht mehr völlig anonym, sondern mit einem realeren Bild vom Unternehmen und vielleicht sogar mit einem kleinen Bezug im Anschreiben oder Gespräch.


5. Jobmessen funktionieren besser, wenn du nicht einfach nur auftauchst


Viele gehen auf Jobmessen wie auf einen Flohmarkt. Einmal durchlaufen, ein paar

Prospekte einsammeln, ein paar Kugelschreiber mitnehmen und wieder raus.

Business Event

So entsteht selten etwas.


Besser ist: Du gehst mit einem kleinen Plan rein.


Vorher


Such dir vier oder fünf Unternehmen raus. Nicht zwanzig.


Schau kurz:


  • Was suchen sie?

  • Welche Rollen wären interessant?

  • Was willst du von ihnen wirklich wissen?


Bereite pro Unternehmen eine oder zwei Fragen vor.


Nicht:

„Haben Sie Jobs?“


Sondern eher:

  • „Worauf achten Sie bei Bewerbungen für Einstiegsrollen besonders?“

  • „Was unterscheidet aus Ihrer Sicht gute Bewerber von durchschnittlichen?“

  • „Welche Erfahrungen fehlen vielen Bewerbern, obwohl sie fachlich eigentlich passen?“


Vor Ort


Versuch nicht, dich in zwei Minuten perfekt zu verkaufen.


Ziel ist erst mal:


  • ein echter Eindruck

  • ein kurzer Kontakt

  • ein Name

  • ein Anknüpfungspunkt für danach


Wenn das Gespräch gut läuft, frag am Ende ruhig:

„Darf ich Sie auf LinkedIn oder Xing hinzufügen? Dann hätte ich später noch mal einen Bezug zu unserem Gespräch.“


Das ist oft viel wertvoller als ein Prospekt.


Danach


Und jetzt kommt der Teil, den viele auslassen:


Meld dich innerhalb von zwei oder drei Tagen noch mal.


Zum Beispiel:


„Vielen Dank für das Gespräch auf der Messe gestern. Ich fand besonders spannend, was Sie zu den Anforderungen im Bereich XY gesagt haben. Ich wollte mich noch einmal kurz melden und den Kontakt gern halten.“


So wird aus einem kurzen Messestand Gespräch überhaupt erst ein Netzwerkpunkt.


6. Netzwerken heißt nicht, sofort etwas zu wollen


Das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt für introvertierte oder zurückhaltende Menschen.


Sobald du denkst, jeder Kontakt müsse sofort etwas bringen, wird Netzwerken anstrengend.


Dann hängt auf jeder Nachricht zu viel Gewicht.

Dann fühlt sich jede Kontaktaufnahme nach Prüfung an.


Viel entspannter ist diese Haltung:


Ich muss nicht sofort etwas bekommen.

Ich muss erst mal nur einen vernünftigen Kontakt aufbauen.


Das verändert viel.


Menschen reagieren meist offener, wenn sie spüren, dass du nicht sofort ziehst, sondern wirklich interessiert bist.


Und paradoxerweise entstehen genau daraus oft die besseren Hinweise, Tipps oder Türen.


7. Ein kleines Netzwerk entsteht nicht an einem Wochenende


Das ist kein Sprint. Aber es muss auch kein Mammutprojekt werden.


Wenn du jede Woche nur zwei oder drei kleine Dinge machst, entsteht mit der Zeit erstaunlich viel.


Zum Beispiel:


  • eine LinkedIn Anfrage

  • eine Nachricht an einen alten Kollegen

  • ein kurzer Nachkontakt nach einer Messe

  • ein Kommentar unter einem relevanten Beitrag

  • eine Frage an jemanden aus deinem Zielbereich


Klein ist nicht zu klein.

Klein ist oft genau richtig.


Eine einfache Faustregel


Netzwerken ist dann gut, wenn es sich nicht wie Schauspiel anfühlt.


Du musst niemand anders werden.

Du musst nur anfangen, berufliche Kontakte nicht erst dann zu aktivieren, wenn die Bewerbung schon längst im Stapel liegt.


Fazit


Ein guter Lebenslauf bleibt wichtig. Aber wenn auf eine Stelle sehr viele Bewerbungen eingehen, hilft es enorm, nicht komplett anonym in den Prozess zu laufen.


Netzwerken bedeutet dabei nicht, laut, extrovertiert oder geschniegelt aufzutreten. Es heißt vor allem, Schritt für Schritt sichtbar zu werden und kleine, echte Kontakte aufzubauen.


Ein kurzer Austausch auf LinkedIn.

Eine ruhige Nachricht auf Xing.

Ein kluges Nachfassen nach einer Jobmesse.

Ein Gespräch mit einem früheren Kollegen.


Genau daraus entsteht oft das, was viele unterschätzen:

nicht sofort ein Job, aber ein echter Vorsprung.


Lass uns gerne darüber sprechen wie ich dir beim netzwerken helfen kann:



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